KW 22-33: Schwedens Schulen wollen zur Normalität zurück kehren

Berichte von Zeitzeugen, freie Expertenmeinungen, Fundstücke aus den sozialen Medien und Top-Themen aus den Leitmedien.

Liebe Eltern,
Liebe Politiker,
Liebe Zeitzeugen,

was ist in der Zeit vom 24. Mai bis zum 16. August 2020 in Deutschland und Schweden passiert?

Während in Schweden die Schulen und Universtitäten ab dem 15. Juni (bis auf die Abendschulen) vollständig in die Normalität zurück kehren, werden in deutschen Schulen strenge Hygiene- und Abstandskonzepte eingeführt. Zwänge, die für die psychische Gesundheit und die freie Entfaltung der Persönlichkeit problematisch werden können.

Ob das bei den Statistiken noch gerechtfertigt ist?

Wer einen 360 Grad Blick haben möchte, der muss auf alle medialen Kanäle zurück greifen. Daher anbei die Top-Themen aus den Leitmedien, ein Querschnitt aus den sozialen Medien, andere Expertenmeinungen und Stimmen von Zeitzeugen.

KW 30 – 33:
20. Juli – 16. August 2020

Zeitzeugin: Gaby, aus Schweden / Stockholm und Umgebung
Wann? 16. August 2020

Themen: Die vielen Toten in Schweden / Statistiken

Ist die Pandemie bei Euch wirklich schlimmer als im Rest der Welt?
Die ausländische Presse berichtet viel darüber, dass bei uns sehr viele Menschen im Verhältnis zur Bevölkerungsanzahl gestorben sind.
Das ist ja auch wahr.
(Wobei GB, Italien, Spanien und Belgien noch viel schechter sind)
Das ganz große Problem in Schweden war, dass sie die Altenheime zu Beginn nicht ausreichend geschützt haben. Von den rund 5000 Leuten die mit Corona gestorben sind, sind über 2600 sehr alte Leute in Altenheimen gestorben.

In schwedischen Altersheimen gab es mehr Corona-Verstorbene als in Norwegen oder anderswo. Wie ist das zu erklären, zumal es ja bei Euch auch seit Ende März ein Besuchsverbot für Angehörige gibt?
Gaby: In Norwegen haben sie ein sehr professionelles Konzept in den Altenheimen. Dort haben sie festes  Personal, eigene  Ärzte, eigene Krankenschwestern.
In Schweden haben wir ganz viele (schlecht bezalte / ungelernte) Pflegekräfte, die auf Stundenbasis arbeiten. Einige gehen von Haus zu Haus. Ein großes Problem war, dass Pflegekräfte, die auf das Geld angewiesen waren auch dann zur Arbeit gingen, wenn sie verschnupft waren. Sonst hätten sie ja kein Geld bekommen. Wenn Menschen das Geld zum Überleben brauchen, dann kann man deren Gedankengang natürlich auch verstehen. Und so der Virus in viele Altenheime rein getragen worden. Das war ein großes Problem.
(Siehe dazu auch den Link zum Artikel vom 23. Juli 2020, unten)

23. Juli 2020: Deutschlandfunk Kultur (www.deutschlandfunkultur.de)
Coronavirus in Schweden: Tödlicher Sonderweg für die Alten?
DeutschlandfunKultur schreibt: “Etwa die Hälfte der Menschen über 70 Jahren, die in Schweden an oder mit Covid-19 starben, war in einem Heim untergebracht. Auf dem Höhepunkt der Pandemie, Mitte April, starben mehr als 100 Menschen täglich. Inzwischen sind die Todeszahlen deutlich gesunken – seit Anfang Juli liegen sie fast immer bei weniger als zehn Menschen pro Tag. Hätte ein kompletter Lockdown womöglich Menschenleben retten können? Die schwedische Regierung hat dazu eine Coronakommission eingesetzt, die die Ursachen aufarbeiten soll.” Die Sozialarbeitsforscherin glaubt NICHT, dass „geschlossene Grenzen oder Schulen etwas geändert hätten“ – sieht die Gründe darin, dass “die Ausbreitung an den Strukturen der Pflegeeinrichtungen liegt: zu wenig und zu unerfahrenes Personal etwa. Und infizierte Mitarbeiter, die trotz Symptomen zur Arbeit gegangen sind.“ Ein Lockdown hätte Ihrer Meinung nach keinen großen Unterschied gemacht.

10. Juli 2020 NDR (www.ndr.de)
UKE-Studie: Kinder leiden psychisch stark unter Corona
Das Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt in einer von denen ausgeführten deutschen Studie erstmals, wie sich die Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ausgewirkt hat. NDR berichtet: Demnach fühlen sich mehr als 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen durch die Corona-Krise seelisch belastet. Stress, Angst und Depressionen haben zugenommen. Das Risiko für psychische Auffälligkeiten habe sich fast verdoppelt. Wie für wissenschaftliche Studien üblich, wurden die Ergebnisse mit Daten einer Langzeituntersuchung aus der Zeit vor Corona verglichen. “Wir haben mit einer Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens in der Krise gerechnet”, sagte Studienleiterin Ulrike Ravens-Sieberer. “Dass sie allerdings so deutlich ausfällt, hat auch uns überrascht.”

02. Juli 2020: Handelsblatt (www.handelsblatt.com)
Merkel hält an Corona-Ausnahmezustand fest – doch es gibt rechtliche Zweifel
Die Kanzlerin hält die eingeräumten Sonderrechte der Regierung wegen Corona weiter für geboten. Ein Gutachten im Auftrag der FDP kommt zu einem anderen Schluss. Berlin Angela Merkel verfolgt in der Coronakrise eine Politik der äußersten Vorsicht. Daran ändern auch die bundesweit niedrigen Infektionszahlen nichts. Weil sie die Situation als “unsicher” einstuft, sei es aus Ihrer Sicht weiterhin eine epidemische Lage. Und meint damit die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“, die der Bundestag vor drei Monaten mit breiter Mehrheit feststellte und damit die Regierung zu Alleingängen bei der Pandemiebekämpfung ermächtigte.

KW 26 – 29:
26. Mai – 19. Juli 2020

10. Juni 2020 OE24 (www.m.oe24.at)
Eklat in NÖ: Schulkinder müssen an Leine gehen
Unglaubliche ”Corona-Maßnahme”: Schulkinder einer 4. Volkschulklasse mussten im Bezirk Krems an einer Leine im Gänsemarsch spazieren gehen. Die Leine soll dabei helfen, dass die Kinder den vorgeschriebenen 1-Meter-Mindestabstand einhalten. “Im Freien Masken tragen und an einer Leine gehen, ist für unsere Kinder weder sinnvoll noch menschenwürdig. Vor allem aber ist es ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass es an vernünftigen und praxistauglichen Vorschlägen zur Umsetzung der Corona-Regeln aus der Bildungsdirektion fehlt”, empört sich Neos-Landessprecherin Indra Collini über ein ihr zugespieltes Foto auf Facebook.

Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass aus Unwahrheit und Gewalt auf Dauer niemals Gutes entstehen kann.

Mahatma Gandhi (1869 – 1948)

KW 22- 25:
25. Mai – 21. Juni 2020

Zeitzeugin: Gaby aus Schweden / Stockholm und Umland
Gaby: 09. Juni 2020

Thema: Midsommerfest (19. – 20. Juni)

Wie feiert Ihr das Mitsommerfest?
Alle zerbrechen sich den Kopf, weil der wichtigste Tag des Jahres „Midsommerfest“ ins Wasser fällt. Wir bleiben in sehr kleiner Runde…

19. Juni 2020: Tagesschau (www.tagesschau.de)
Mittsommer ist normalerweise Schwedens Party des Jahres. Doch dieses Mal gibt es wegen Corona viele Einschränkungen. Die Sorge: Viele werden sie ignorieren – und die Corona-Zahlen steigen.
Auch, weil Staatsepidemiologe Anders Tegnell seine Schweden noch einmal auf die Corona-Sonderlage hinwies und Verhaltensempfehlungen erneuerte – sogar auf Englisch, damit es Touristen verstehen, wenn denn welche da sind. “Abstand halten”, meint er, “am besten draußen feiern, sich verantwortungsvoll benehmen und keine Leute treffen, zu denen man nicht schon vorher Kontakt hatte.” Viele werden sich wohl nicht daran halten, vor allem Jüngere. Und das ist die große Angst in Schweden….. Und dass dieses Fest ein Test wird für das Verhalten der Schweden in den kommenden Sommerwochen. Im schlimmsten Fall steigt nach diesem Wochenende …. die Zahl …..der Corona -Neuinfektionen.

Zeitzeugin: Gaby aus Schweden / Stockholm und Umland
Gaby: 09. Juni 2020

Thema: Schulchulöffnung, Infektionsgeschehen

Was gibt es Neues zum Thema Schule?
Gymnasien und Universitäten sollen zum 15. Juni wieder geöffnet werden. Was irgendwie Schwachsinn ist, weil heute die Sommerferien anfangen. Aber es wurde halt bekannt gegeben und zum Herbst hin sollen die Schulen wieder normal laufen.

Das einzige, was sie nicht öffnen sind die Abendschulen. Wo z.B. Ausländer schwedisch lernen oder ihren Schulabschluss nachholen. Die Extra-Schulen wollen sie noch nicht öffnen. Wahrscheinlich befürchten sie, dass die Kreise  noch mehr dazu beitragen, dass der Virus verteilt wird. Bei uns sind die Stadtteile, wo Ausländer wohnen, stärker betroffen. Wahrscheinlich, weil sie die Information nicht lesen konnten, sich deshalb nicht an die Regeln gehalten haben. Wenn die Regeln auf Schwedisch stehen und die sprechen nur arabisch, dann ist das ein Problem.
In den Nachrichten haben sie gerade gesagt, dass es einige Stadtteile im Süden von Stockholm gibt, die stärker mit Infektionen betroffen sind. Ich kenne da aber keinen persönlich.

Lieber Leser:

Wenn Du ebenfalls Zeitzeuge werden möchtest, hinterlasse bitte im Kommentar Deine unzensierten Erlebnisse und Fotos. Oder schicke mir Deine Erlebnisse per Mail und der Betreffzeile “Zeitzeuge” an socialmedia(at)monikahoyer.de.
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Danke, Monika M. Hoyer


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