Just Another Brick In The Wall

Kinder haben das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Züchtigung, seelische Verletzung und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig. In der Pandemie scheinen diese Rechte ausgehebelt.

Als das Album „The Wall“ von Pink Floyd am 30. November 1979 veröffentlicht wurde, war ich gerade einmal acht Jahre alt.

Ein Grundschulkind.

Und obwohl ich nur ein paar Übersetzungen von meinen Geschwistern aufschnappte, fühlte ich in jeder Zelle meines Körpers, was der Künstler mit der Zeile „Teacher, leave the kids alone“ auszudrücken vermochte:

Ein Nein! zur Unterdrückung.
Ein Nein! zu Demütigungen.
Ein Nein! zu körperlicher Gewalt.

Und somit ein Nein zu den autoritären Systemen, die auf Gedankenkontrolle, Zwang und Gleichschaltung der Persönlichkeit setzten.

(Das beigefügte Video zur Erinnerung und Diskussion bitte noch mal anschauen)

Musikvideo von Pink Floyd: Another Brick in The Wall

Aus Sicht eines Juristen geht es um körperliche Züchtigung und seelische Misshandlung, aus psychologischer oder neurowissenskchaftlicher Perspektive zusätzlich um die manipulative Einwirkung auf das Fühlen, Denken, Reden und Handeln, die durch institutionelle Konditionierung erfolgte.

Was ist körperliche Züchtigung?

Züchtigung ist das Zufügen einer körperlichen Strafe, um das Verhalten eines Kindes zu verändern. Egal, ob sie in Form der Ohrfeige, mittels 150 Kniebeugen, mit dem Rohrstock oder mit anderen moderneren Instrumenten wie dem schmerzlichen Moskito-Ton erfolgt: Als unangenehm erlebte Konsequenzen oder Schmerz werden bei der Konditionierung mit einem gewünschten Verhalten assoziiert und abgespeichert.

Ist sowas heute noch erlaubt? Klare Antwort: Nein.

Seit 1973 ist Direktoren und Lehrern in Deutschland die Züchtigung als erzieherische Maßnahme untersagt, seit 2000 auch den Eltern. Das Schulsystem hat sich seitdem mitsamt der ihm zugrunde liegenden Pädagogik grundlegend gewandelt. Wenngleich immer mal wieder „schwarze Schafe“ unter Lehrern zu finden sind, so ist die Mehrheit der Lehrerschaft einig: Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig. Mein persönlicher Dank geht an dieser Stelle an all die Lehrer, die diesen Grundsatz, der seit 2000 in Artikel 19 der UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK) und auch in § 1631 Abs. 2 BGB verankert ist, im Schulalltag gelebt haben.

Das war unsere “alte, gesunde Normalität”.

Im Jahr 2020 befinden sich Schulen in einem juristischen Ausnahmezustand. Wieso? Weil Direktoren und Lehrer genötigt werden, eine juristisch fragwürdige Gratwanderung zu bewerkstelligen: Sie müssen die Verordnungen aus der Politik umsetzen, die Rechte der Kinder dürfen dabei aber nicht verletzt werden. Konkret gesagt: Strikte und kompromisslose Umsetzung der Maßnahmen – aufgrund der Kinderrechte aber ohne körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und oder anderweitig entwürdigende Maßnahmen.

Ist das das überhaupt möglich?

Streitpunkt #1: Die Zwänge und Strafen verstoßen gegen die Rechte der Kinder

Wie sieht der Alltag unserer Kinder und Jugendlichen aus?

Das Kinderleben ist seit Monaten von Vorschriften, Zwängen und angedrohten Strafen geprägt – nicht nur in der Schule. Atemschwierigkeiten wegen der Maske? Egal, sie muss bedingungslos aufgezogen werden. Eine amtsärztliche Prüfung, ob das Kind überhaupt eine Maske tragen darf? Wird missachtet. Körperliche Nähe zu Freunden? Viel zu gefährlich. Küsse unter verliebten Jugendlichen? Bitte Abstand halten! Sich mit seiner fünfköpfigen Clique treffen? Nein – sonst wirst Du als „unsozialer Superspreader“ abgestraft.

Der Blick in einige Kindergärten und Klassenzimmer lässt erahnen: Nicht jedem Lehrer gelingt es – und die Politik nimmt Kollateralschäden auf Kosten der Kinder und Jugendlichen in Kauf.

Die Freizeitgestaltung schaut nicht besser aus.

Direktoren, Lehrer und Eltern dürfen sich ihrer Verantwortung nicht entziehen. Wenn Kinder in Kindergärten und Grundschulen – oder Jugendliche in den höheren Schulen – gezwungen werden, eine Maske zu tragen, dann könnte hier laut Klagepaten.eu ein Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK) und auch in § 1631 Abs. 2 BGB vorliegen. Gleiches gilt laut Klagepaten auch, wenn Kinder ohne Maske ausgegrenzt und diskriminiert oder der Schule verwiesen werden. Sogar eine Nötigung könnte vorliegen, wenn an Schülern eine Temperaturmessung durchgeführt wird oder diese zur Nutzung von Desinfektionsmitteln gezwungen werden.

Direktoren, Lehrer und Eltern, die sich tiefer in die Materie einlesen möchten, finden auf der Internetseite von “Eltern stehen auf” Material, das in Zusammenarbeit mit den Klagepaten und mithilfe des Einsatzes von Ralf Ludwig zusammengestellt wurde. Darüber sollte zwingend eine öffentliche Debatte entstehen.

Streitpunkt #2: Die Maßnahmen bewirken einen langfristigen psychischen oder seelischen Schaden

Welche Langzeitschäden die aktuellen Zwänge auf das Fühlen, Denken, Reden und Handeln unserer Kinder haben können, lässt der Songtext von „The Wall“ erahnen, der uns einlädt, die aktuellen Maßnahmen kritisch zu reflektieren. Nehmen wir die Kernaussage des Songtextes etwas genauer unter die Lupe. An heutige Zeitverhältnisse angepasst, könnte das Lied so lauten (blaue Textpassagen sind geändert):

The Wall – Teil 1:
Psychisches Trauma

Der Hauptdarsteller im Musikvideo ist Lancaster Pink, ein kreativer Junge im Grundschulalter, der unter der Überbehütung durch seine Mutter sowie der Abwesenheit und dem anschließenden Kriegstod seines Vaters leidet. Im ersten Teil des Songs erzählt er, dass seine Kindheit traumatische Spuren hinterließ. Spuren, die wie Ziegelsteine („bricks“) auf seiner Seele lasten.

Daddy’s flown across the ocean
Leaving just a memory
A snapshot in the family album
Daddy, what else did you leave for me?

All in all it was just a brick in the wall
All in all it was all just bricks in the wall

Wie entstehen diese emotionalen Ziegelsteine im Gehirn?

Jedes Erlebnis und jede Beobachtung wird ‒ eingebunden in das persönliche Temperament und ausgehend von den daraus folgenden angenehmen oder unangenehmen Konsequenzen – von jedem Menschen individuell bewertet, mit den damit einhergehenden Emotionen fest verbunden und später assoziiert.

Als negativ empfundene Erlebnisse werden von der Amygdala im limbischen System des Gehirns mit unangenehmen Gefühlen wie Angst, Enttäuschung, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Trauer oder Schock verknüpft und sollen zukünftig vermieden werden.

So wie bei Lancester Pink.

Dem Songwriter, Waters, wird es vermutlich genauso ergangen sein wie vielen anderen Kindern, die eine gut gemeinte Überbehütung durch die Eltern unbewusst als Bedrohung oder Grenzüberschreitung erlebt haben, konkret als Überschreitung der eigenen Ich-Grenze. Das Gehirn lernt und speichert ab: Nähe ist gefährlich. Für wen oder was? Für mein eigenes Ich.

The Wall – Teil 2:
Institutionelle Konditionierung

Waters kritisiert im zweiten Teil des Liedes das sadistische und unterdrückende Schulsystem, das er in seiner Kindheit erlebt hat. Mit der Zeile „We don’t need no education“ lehnt er nicht die Bildung, sondern eine dogmatische Belehrung und Züchtigung ab und fordert: „Hey, Lehrer, lasst uns Kinder in Ruhe!“

Pink drückt aus, dass die machthabenden Instanzen mit ihrer Gedankenkontrolle („thought control“) in Form der Gleichschaltung die Entfaltung der Ich-Identitäten behindern und die „kids“ in eine Opferstruktur drängen. Er erzählt uns, dass er Demütigungen, Verletzungen und Traumata wie Ziegelsteine („bricks“) empfindet, die im Laufe seines Lebens eine emotionale Mauer („The Wall“) formten.

Im Kern geht es im zweiten Teil des Songs um institutionelle Konditionierung, also um Zwänge, die von außen auf die Familien einwirken, damit sich die von Machthabern gewünschte soziale Ordnung einstellen kann. Mit der emotionalen Konditionierung wird eine unbewusste Wir-Identität geformt, die als „Regelwerk“ oder „Moral des Systems“, bestehend aus kollektiven Anschauungen, Meinungen oder auch Werten, Regeln, Normen und Gesetzen, über die mittlere limbische Ebene als richtig und nachahmenswert gespeichert werden.

Die Phase der Konditionierung kann als ein Zeitfenster verstanden werden, das bereits im Mutterleib beginnt und sich um das sechste Lebensjahr herum in großen Teilen abgeschlossen ist. Die neuen Werte, Regeln und Normen füllen sich somit in einer Zeit, in der das Kind die Dynamiken der Gesellschaft noch nicht begreifen kann. Entsprechend bedeutend ist der Einfluss der Familie. Bis zum Jugendalter nimmt die „blinde“ Anpassungsfähigkeit stetig ab, macht Platz für die Ich-Entfaltung. Im Erwachsenenalter bedarf es bei den meisten Menschen hingegen schockartiger Ereignisse, Todesängste bzw. anderer psychischer Traumata oder einer „Hirnwäsche“, damit sich ein neuer Automatismus im Gehirn manifestieren kann.

We don’t need no enforcement
We don’t need no thought control
No anxiety in the classroom
Politicians leave them kids alone
Hey, politicians, leave them kids alone

All in all it’s just another brick in the wall
All in all you’re just another brick in the wall

Die Information, die in die institutionelle Konditionierung übergeht, kann mit einem Regelwerk verglichen werden, auf das der Mensch durch verinnerlichte Belohnungs- und Bestrafungsmechanismen, Drill und traumatische Erlebnisse in das Unterbewusstsein geprägt wird – so wie bei Pink Lancaster.

The Wall – Teil 3:
Das aus dem Gleichgewicht geratene Temperament

Der dritte Teil des Songtextest befasst sich mit den Folgen des „steten Tropfens“, der als andauernde Verletzungen und Demütigungen des Schülers empfunden wird. Die Mauer, die zunächst als Schutzmauer dienen sollte, transformiert sich im Laufe seines Lebens zunehmend in ein emotionales Gefängnis, das er nicht mehr verlassen kann. Dann lebt er sein Temperament aus seiner Opferrolle heraus. In dieser gefangen empfindet er Angst vor sozialen Kontakten, Angst vor Nähe, Angst vor emotionalen Verletzungen.

Eine Mauer, die auf lange Sicht nicht nur das Schlechte und Gefährliche, sondern auch das Gute von seinem Leben fernhält. Eine Mauer, die er als Erwachsener zwar ablehnt, aber nicht einreißen kann. Der Zugang zu den Potenzialen seines Temperaments bleibt dann versperrt.

I don’t need no walls around me
And I don’t need no forced vaccination to protect me
I have seen the writing on the wall
Don’t think I need anything at all
No, don’t think I’ll need anything at all

All in all, it was all just bricks in the wall
All in all, you were all just bricks in the wall

Wo seelischer Missbrauch und institutionelle Konditionierung systematisch installiert wird, da hört das Verständnis für jegliche Maßnahmen bei mir auf. Das Schüren von Ängsten und installieren von Zwängen macht unsere Kinder psychisch und seelisch krank.

So wie Pink.

Streitpunkt #3: Der Preis, den die Kinder zahlen, ist nicht verhältnismäßig!

Die Einschränkungen, die Kinder seit Monaten akzeptieren müssen, haben enorme Strahlkraft auf ihr Lebensumfeld.

Die Eingriffe in unser Leben werden durch den unbestimmten Rechtsbegriff “epidemische Lage von nationaler Tragweite” – gemäß §5 Abs. 1. Satz 1 des Infektionsschutzgesetzes begründet. Ein Streitpunkt ist, dass sich die Experten nicht einige sind, wann eine solche Tragweite überhaupt erfüllt ist.

Aber selbst dann, wenn sie sich einig wären: Die den Kindern und Jugendlichen auferlegten Maßnahmen, die mit Risiken für deren psychische, seelische und körperliche Gesundheit einhergehen, müssen im juristischen Sinne verhältnismäßig sein.

Was gilt unter Juristen als verhältnismäßig?

Als verhältnismäßig gelten Maßnahmen, wenn sie zwei Voraussetzungen erfüllen.
Erstens müssen diese geeignet sein, das entsprechende Ziel zu erreichen. Somit muss die Regierung beweisen, dass mit den vereinbarten Beschränkungen (Mund-Nasen-Schutz, Kontaktverbot in der Schule usw.) das Ziel überhaupt erreicht wird, Bürger vor der Ansteckung mit einem Virus zu schützen. Die zweite Voraussetzung: Die auferlegten Maßnahmen müssen erforderlich sein – weil es keine anderen Mittel und Wege gibt, also keine Alternativen mit ähnlicher Wirkung, keine, die weniger in die Grundrechte der Menschen eingreifen. Ist das aktuell der Fall?

Schweden beweist, dass das Leben der Kinder und die aktuelle Risikolage auch anders gestaltet und bewältigt werden kann, z. B. ob Schulsport auch ohne Maske denkbar ist. Deshalb darf in Frage gestellt werden, ob die beschlossenen Maßnahmen für Kinder verhältnismäßig sind. Deshalb müssen wir über alternative Konzepte reden, die für unsere Kinder rechtlich und ethisch vertretbar sind.

Monika M. Hoyer
Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie

PRESSEBERICHTE ZUM VERTIEFEN:

18. März 2021
Wenn Schüler selbstmord machen
“Euch trifft keine Schuld” – reitschuster.de

03. Dezember 2020
Kollateralschäden / Ella / Chronik einer Krankheit

… folgt …

06.Juli 2020
Psychologin erklärt, welche Folgen der Mund-Nasen-Schutz hat: „Maske richtet psychischen Schaden an“

10. Juni 2020
Unglaubliche ”Corona-Maßnahme”: Schulkinder einer 4. Volkschulklasse mussten im Bezirk Krems an einer Leine im Gänsemarsch spazieren gehen.

13.05.2020
Ein grüner Punkt bedeutet „nicht infiziert“: Schule testet jeden auf Corona

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